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SMSA – Olivenöl aus Tunesien



In Tunesien kontrollieren wenige Unternehmer nahezu den kompletten Olivenöl-Export. Etwa 70 Prozent des Öls landen in Spanien und Italien, um dort mit lokalen Ölen gemischt zu werden. Die Genossenschaft SMSA (Société Mutuelle de Services Agricoles de Magel Bel Abbès) geht einen anderen Weg: Die Kleinbauern füllen ihr eigenes Öl direkt vor Ort ab und exportieren es selbst.

In einem Land, dessen landwirtschaftliche Flächen zu etwa 30 Prozent für den Olivenanbau genutzt werden, haben Leuchtturmprojekte wie jenes der SMSA eine immense Bedeutung. Denn der Olivenanbau spielt eine wichtige Rolle im sozialen und wirtschaftlichen Leben Tunesiens. Olivenöl macht fast 50 Prozent der tunesischen Agrar-Exporte aus und mehr als eine Million Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt mit dem Anbau, der Weiterverarbeitung und dem Verkauf von Olivenöl. Außerdem spielt der Olivenanbau eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die fortschreitende Wüstenbildung in Tunesien aufzuhalten. Denn die Olivenbäume können eine natürliche Barriere bilden und den Sand stoppen.

Olivenanbau in einer der ärmsten Regionen Tunesiens

Die Provinz Kasserine liegt im Herzen Tunesiens an der Grenze mit Algerien und ist eine der ärmsten Regionen des Landes. Mit einer Niederschlagsmenge von weniger als 330 Millimetern pro Jahr ist die Region extrem trocken. Widerstandsfähiges Getreide und Oliven gehören zu den wenigen Agrarprodukten, die dort angebaut werden können. Die Arbeitslosenquote ist hoch: Etwa ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung hat keinen Job. Unter den Jugendlichen liegt der Anteil sogar noch höher: Mehr als 35 Prozent von ihnen haben kein festes Einkommen.

Die Kooperative SMSA hat ihren Sitz in Majel Bel Abbès. Die Kleinstadt befindet sich in der Nähe von Sidi Bouzid, dem Ausgangspunkt des Arabischen Frühlings. Die Region ist eine der Gegenden, die unter den Bourguiba- und Ben-Ali-Regimen am meisten verwüstet wurden. Das zeigt sich noch heute an schlechter oder teilweise fehlender Infrastruktur. Es gibt nur ein einziges Krankenhaus für 450 000 Einwohner, der Zugang zu Trinkwasser ist nicht flächendeckend gewährleistet und viele Straßen sind nicht oder nur schlecht asphaltiert.

Produkte vor Ort weiterverarbeiten und direkt exportieren

Während sich der Olivenanbau in Tunesien auf die Schultern vieler Kleinbauern verteilt, liegt der Export in den Händen weniger großer Unternehmen. Für SMSA war es daher zunächst ein großes Wagnis, die traditionellen Exportstrukturen Tunesiens nicht zu nutzen und einen eigenen Weg zu gehen. Doch der Erfolg gibt ihnen Recht: Die Genossenschaft übernimmt nach der Olivenernte im Auftrag ihrer Mitglieder Weiterverarbeitung und Export.

Tunesien wird als Produzent hochwertigen Olivenöls kaum wahrgenommen, während andere Mittelmeerländer wie Italien oder Griechenland für ihre Öle weltweit bekannt sind. Durch die Zusammenarbeit mit SMSA möchte ETHIQUABLE einen Beitrag dazu leisten, Tunesien als Ursprungsland hochwertigen Olivenöls bekannter zu machen.

Kooperation zwischen SMSA in Tunesien und Ethiquable

Im Gespräch zwischen einem Landwirtschaftsberater von ETHIQUABLE und Vertretern der Kooperative SMSA entstand 2010 in Tunesien die Idee, innerhalb der Genossenschaft die Olivenernte zu Öl zu verarbeiten und selbst zu exportieren. Nach einem Jahr intensiver Arbeit hatten die 16 Produzenten der Genossenschaft alle Voraussetzungen geschaffen, um die Oliven gemäß den Vorgaben der EG-Öko-Verordnung zu pressen und in Tunis abfüllen zu lassen. Bis heute besucht ein Mitarbeiter von ETHIQUABLE zwei Mal im Jahr die Kooperative, um das Projekt auch weiterhin zu begleiten.

Ziele und Effekte des Fairen Handels

1. Tunesien als Ursprungsland für Olivenöl bekannter machen

Natives Olivenöl der SMSA hat eine bemerkenswerte Qualität und ist bio-zertifiziert. Es leistet dadurch einen Beitrag dazu, Tunesien als Anbauland für Oliven bekannter zu machen.

2. Vor Ort ein Produkt zu erstellen: der Stolz der Genossenschaft

Der Großteil des tunesischen Olivenöls wird fässerweise nach Spanien, Italien und in die USA exportiert. Ein Endprodukt in Tunesien herzustellen, erhöht die Wertschöpfung vor Ort und gibt der Genossenschaft somit die Möglichkeit, mit ihrer Arbeit einen höheren Mehrwert zu schaffen.

3. Zugang zum Qualitäts-, Bio- und Fair-Trade-Markt

Die Genossenschaft sammelt mit ihrem Olivenöl Erfahrungen in der Vermarktung fair gehandelter Bio-Produkte und kann dieses Wissen zur eigenen Weiterentwicklung nutzen und an andere Kooperativen weitergeben.

4. Selbstständige und unabhängige Organisation

Die SMSA ist eine der ersten Genossenschaften Tunesiens, die ihre eigenen Produkte direkt exportiert. Die Unabhängigkeit von großen Exporteuren hat sie nun dazu motiviert, neue Vertriebswege zu suchen und weitere Produkte zu entwickeln. Derzeit denken sie zum Beispiel über Anbau, Weiterverarbeitung und Export von Pistazien sowie Mandeln nach.

In aller Kürze

  • Partnerschaft seit 2012
  • Das Olivenöl-Projekt wurde von Ethiquable initiiert, 2014 begann man auch mit der Mandel-Produktion.

Vor Ort

Unser Mitarbeiter Adrien Brondel (Agrarwissenschaftler) mit Wohnsitz in Paris hat das Projekt mitinitiiert und begleitet es vor Ort. Er kümmert sich um Projekte in Afrika und Frankreich.

Produkte von SMSA bei ETHIQUABLE

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