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Oro Verde – Kaffee aus Peru

Koka versus Kaffee



In den 1980er Jahren breitete sich der illegale Koka-Anbau in Peru stark aus. Der Drogenhandel hatte viele Amazonas-Regionen fest in der Hand. Lamas ist eine der Regionen, die besonders stark von dieser verheerenden Entwicklung betroffen war. Die Koka-Wirtschaft brachte viel Leid wie etwa hemmungslose Gewalt, die Abwanderung der jungen Generation und die Verschlechterung sozialer Strukturen mit sich. Wenn sich die Kaffeepreise verschlechterten, war die Entwicklung der Koka-Kulturen umso wichtiger. Denn die Bauern suchten nach Möglichkeiten, das Einkommensdefizit auszugleichen.

1999 entschied sich eine Gruppe von Produzenten, nach alternativen Lösungen zu suchen, um ihren eigentlich Reichtum, den hervorragenden Kaffee, aufzuwerten. So entstand das Kaffee-Projekt ORO VERDE (auf Deutsch: grünes Gold).

Der Kaffee: eine große Chance

Die Familien kultivieren auf den hoch gelegenen Anbauflächen etwa zwei Hektar Kaffee in Mischkultur mit Obst- und Waldbäumen. In den niedrigeren Zonen werden außerdem viele Nahrungsmittel wie Bananen, Maniok, Bohnen, Gemüse und Reis angebaut und auf kleinen Höfen Tiere gezüchtet. Jedoch ist der Kaffee in der Regel die einzige finanzielle Einnahmequelle der Familien. Die Böden der Region sind fruchtbar und größtenteils bewaldet. Dank der Höhenlage und der Feuchtigkeit der Amazonasgebiete zeichnet sich der Kaffee dieser Region durch ein einzigartiges Aroma aus.

Vereinigung zweier Ethnien

Die Gemeinschaft ORO VERDE vereint 1000 Kaffee-Kleinproduzenten in der Region Lamas am Rande der peruanischen Anden. Diese Region war früher nur sehr dünn besiedelt und schwer zugänglich. Die Urbevölkerung gehörte zur ethnischen Gruppe der Chanka und lebte seit langer Zeit auf den unterschiedlichen Höhen dieser bergigen Region, sowohl im tropischen Regenwald als auch in den hohen Bergregionen. Ein großer Teil der Region war damals mit Primärwald bedeckt und nur ein geringer Teil wurde für den landwirtschaftlichen Anbau genutzt.

Die landwirtschaftliche Erschließung der Region, die bis heute andauert, führte dazu, dass viele andine Bauern in die Lamas-Region einwanderten. Daher besteht die Genossenschaft ORO VERDE heute sowohl aus Siedlern aus den Anden als auch aus Mitgliedern der ethnischen Gruppe der Chanka, die ihre kulturelle Identität bewahren konnten. Sie sprechen Quechua, produzieren und tragen traditionelle Kleidung und verwalten ihr Territorium kollektiv.

Der Kaffee von ORO VERDE ist einer der aromatischsten Kaffees aus der Großregion Nor Oriente. Er zeichnet sich durch seine Ausgewogenheit aus lieblicher Note und feiner Säure aus. In einem nationalen Wettbewerb der besten Arabica-Kaffees gewann ORO VERDE einmal Gold und einmal Silber.

Ein stabiles Einkommen

Bei ihrer Gründung 1999 war die Genossenschaft noch nicht ins Fairhandels-Netzwerk eingebunden, aber dank der hohen Qualität konnten sie ihren Kaffee relativ lukrativ absetzen. Doch mit der Jahrtausendwende setzte die Kaffeekrise ein und stürzte weltweit viele Bauern ins Unglück. Aufgrund ihrer inzwischen erlangten Bio- und Fair-Trade-Zertifizierung hat ORO VERDE es jedoch geschafft, einen im Vergleich zu anderen Exporteuren erhöhten Exportpreis für ihren Kaffee zu realisieren. 2002 verkaufte sie ihren Kaffee im Durchschnitt für 0,74 US-Dollar pro Libra (453,6 Gramm), während der Durchschnittspreis der peruanischen Kaffee-Exporteure bei 0,50 US-Dollar pro Libra lag.

2004 gelang es der Kooperative, mehr als die Hälfte ihrer Produktion fair gehandelt und in Bio-Qualität zu verkaufen. Der Rest wurde auf dem konventionellen Markt verkauft. Während der Durchschnittspreis der peruanischen Kaffee-Exporteure in diesem Jahr bei 0,69 US-Dollar pro Libra lag, erreichte ORO VERDE einen Durchschnittspreis von 1,11 Dollar pro Libra, also beinahe doppelt so viel wie der konventionelle Marktpreis.

Im Zuge einer Kampagne hat ORO VERDE 2007 tatsächlich 100 Prozent seines Kaffees auf dem Fair-Trade-Markt verkauft, davon waren 70 Prozent der Produkte sowohl fair gehandelt als auch biologisch hergestellt.

Auch unter schlechten weltwirtschaftlichen Bedingungen konnte ORO VERDE den Produzenten einen 10 bis 15 Prozent höheren Preis als die Zwischenhändler in der Region bezahlen. Der garantierte Mindestpreis des Fairen Handels bewirkt, dass eine Mindestdifferenz zum konventionellen Kaffee-Preis bleibt, auch wenn die internationalen Kaffeepreise ansteigen. Um das Vertrauen der Produzenten zu erhalten, ist es wichtig, dass die Fair-Trade-Genossenschaften einen höheren Preis als die konventionellen Zwischenhändler bezahlen können.

Neben dem höheren Preis spielt auch die Vorfinanzierung der Ernten und die permanente Ausbildung und Beratung durch Fachleute der Genossenschaft eine große Rolle. Denn davon profitieren die Produzenten erheblich.

Höchste Qualität durch den Fairen Handel


Als sich die Produzenten auf den Anbau von Kaffee spezialisierten, investierten sie in Techniken zur Verbesserung der Qualität. Heute verfügt jede Familie über eigene Technik zum Schälen, Fermentieren, Waschen und Trocknen des Kaffees.

Die Familien konnten die notwendigen Geräte kaufen, weil die Genossenschaft ein eigenes Kreditsystem eingeführt hat. Außerdem wurden neun Techniker eingestellt, die von der Genossenschaft bezahlt werden und die bei der Inbetriebnahme der Maschinen behilflich waren.

Die heute erreichte Qualität des Kaffees liegt weit über den üblichen Standards der Region.

Demokratische Genossenschaft

Angesichts des großen ökonomischen Erfolgs der Genossenschaft hat es ORO VERDE auch geschafft, seine Mitgliederzahl erheblich zu erhöhen. Aus 56 Mitgliedern im Jahr 1999 sind 165 im Jahr 2000, 500 im Jahr 2005 und mehr als 1000 Mitglieder im Jahr 2007 geworden.

Innerhalb ihrer Organisationsstruktur hat die Genossenschaft eine Abstimmungsparität eingeführt. So ist nicht länger der Mann der einzige Repräsentant der Produzentenfamilie, sondern Mann und Frau werden gleichberechtigt in den Entscheidungsprozess einbezogen.

Neben den Eltern profitieren auch die Kinder von der landwirtschaftlichen Entwicklung. Die anspruchsvolle Koka-Wirtschaft verpflichtete die Kinder zur Arbeit. Nun können sie wieder in die Schule gehen, während sich die Eltern dem Kaffee widmen. Diese Veränderung verbesserte auch die Beziehung zwischen Eltern und Kinder. Außerdem werden zehn Prozent der Entwicklungsprämie für eine Mitglieder-Krankenversicherung verwendet.

Eine ökologischere und ertragreichere Landwirtschaft


Die Schaffung eines regionalen Verbotes der Waldabholzung fördert den Schutz der Artenvielfalt ebenso wie das staatliche Projekt «Fondo Bosque». Neu angelegte Baumschulen obliegen der Pflege von Familien und Gemeinschaften. Als natürliche Schattenspender findet man dort auch die kleinblättrigen «Shimbillo»-Bäume, Mahagoni und die ursprünglichen Zederbäume, die innerhalb von 5 Jahren 4 Meter hoch werden können.

ORO VERDE hat ein eigenes Umweltzentrum zur Ausbildung und Förderung junger Führungspersönlichkeiten in den Bereichen der Produktion, des Qualitätsmanagements und des Vertriebs eingerichtet.

Mehr als die Hälfte der Lamas-Region ist immer noch mit intaktem Primärwald bedeckt. Um ihn zu erhalten, ist es notwendig, die Kaffee-Erträge zu erhöhen und somit dafür zu sorgen, dass Primärwälder nicht unnötig zu landwirtschaftlichen Anbauflächen werden. Seit zehn Jahren engagiert sich die Genossenschaft in diesem Bereich.

Die Ausbildung und Beratung der Kaffeeproduzenten hat dazu beigetragen, ein nachhaltiges Agrarsystem zu entwickeln: Durch Ersatz der alter Pflanzen durch neue Pflanzen, die in den Baumschulen aufgezogen und ausgewählt wurden, kann eine höhere Produktivität erlangt werden.

Aufforstung erhöht Fruchtbarkeit

Um beste Bedingungen für die Fruchtbarkeit des Waldes sicherzustellen, werden schattenspendende Bäume gepflanzt und gepflegt. Die Bäume ziehen Mineralstoffe aus der Tiefe und die herabfallenden Blätter bilden eine natürliche Humusschicht, die den kleineren Kulturen diese Nährstoffe wieder zurückgibt.

Diese Agroforstwirtschaft erhält die Fruchtbarkeit der Böden, die auf diese Weise nicht mehr auf chemische Düngemittel angewiesen sind. Das erfordert zwar zusätzliche Arbeit, die Erträge sind jedoch doppelt so hoch wie bei herkömmlicher Agrarwirtschaft. Im Gegensatz zu 0,5 Hektar Kaffeeanbaufläche mit ungefähr 360 kg pro Hektar Ertrag früher, bauen die Produzenten von ORO VERDE heute im Durchschnitt auf 2,8 Hektar Kaffee an und ernten mehr als 800 kg Kaffee pro Hektar.

Mit diesem neuen Anbausystem haben sie die Fruchtbarkeit der Böden sehr erfolgreich gesteigert und können nun auf das veraltete und zerstörerische System der Brandrodung verzichten.

In aller Kürze

  • Partnerschafft seit 2003
  • 56 Kleinbauern gründeten die Genossenschaft, mittlerweile hat Oro Verde über 1000 Mitglieder
  • 1-3 Hektar Land pro Familie
  • Kultivierung nach Prinzip der Agroforstwirtschaft

Vor Ort

Unser Mitarbeiter Nicolas Eberhart (Agrarwissenschaftler) hat das Projekt mitinitiiert und begleitet es vor Ort.

Produkte von Oro Verde bei ETHIQUABLE

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