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Cacaonica – Kakao aus Nicaragua

Einkommen sicherstellen in einer durch Bürgerkrieg geprägten Region



Waslala ist eine tropische Region, abgeschnitten von Rest des Landes und dennoch Schauplatz mehrerer bewaffneter Konflikte. Bis heute ist die Landwirtschaft durch Unsicherheiten geprägt, obwohl die Region das Potenzial hat, hochwertigen Kakao anzubauen. Cacaonica verfolgt das Ziel, diesem Kakao und seinen Produzenten wieder zu mehr Wertschätzung zu verhelfen.

Eine Kooperative in einem Kriegsgebiet

Während der Diktatur Somozas war die tropische Region Wasala für viele Menschen ein Ort der Zuflucht, um dem bewaffnetem Konflikt zu entgehen. Der Erfolg der Sandinisten 1979 versetzte die jungen Revolutionäre in die Lage, landwirtschaftliche Reformen umzusetzen und mehr als 400 000 Menschen zu alphabetisieren. Die neue Regierung verstaatlichte viele Produktionsanlagen und Betriebe des Somoza-Clans. Mehr als 30 000 Hektar Land wurden an kleinbäuerliche Genossenschaften übertragen.
In Waslala profitieren die Kleinbaueren sehr von den landwirtschaftlichen Reformen dieser Zeit. Die großen Haciendas wurden entmachtet und jede Familie erhielt im Durchschnitt 17,5 Hektar Land. Doch die Kämpfe zwischen den Kleinbauern und den Großeigentümern gingen weiter. Denn natürlich waren nicht alle von den Agrarreformen überzeugt. Das tropische Waslala hat die Gewalt immer wieder zu spüren bekommen, da es direkt an das benachbarte Honduras grenzt und die Contra-Rebellen sich dort organisierten.
1990 verloren die Sandinisten die Wahlen, was nicht zuletzt auch an einem verhängnisvollen Embargo durch die USA gelegen haben dürfte. Die Revolution schien vorläufig beendet zu sein. Staatseigentum wurde wieder privatisiert und 30% des Bodens wurden wieder an seine alten Eigentümer zurückgegeben, 18% Prozent an die demobilisierte Armee der Sandinisten, 20% an die Contras und 32% an die Kooperativen.

Weg vom Kaffee und hin zum Kakao

Das bäuerliche Produktionssystem in dieser Region funktioniert nach dem Prinzip der Diversität. Hier wachsen Kakaobohnen, Kaffeebohnen, Mais und Bohnen. Auf ein Einkommen durch Kaffeekultivierung zu hoffen ist unrealistisch, denn die Anbaubedingungen sind nicht ideal, um einen qualitativ hochwertigen Kaffee zu produzieren. Das in den 1990er Jahren neu entstehende Kakaogeschäft brachte neue Dynamik in die Gegend.

Die Kooperative gründet ein eigenes Entwicklungsprojekt

Als es in Nicaragua in den 90er Jahren wieder ein wenig ruhiger wurde, gab es viele internationale Organisationen, die stark in Nicaragua und vor allem in seine ländlichen Gebiete investierten. Die deutsche Nichtregierungsorganisation Pro Mundo Humano startete ein Entwicklungsprojekt für die Kakaokultivierung und wurde dabei von der Europäischen Union unterstützt. Die lokale Kakaovarietät, die für einen besonders spezifischen Geschmack sorgt, hatten sie dabei jedoch nicht im Blick. Stattdessen stand die Sorte „Trinitario“ im Fokus, da sie höhere Erträge versprach. Denn die Bäume werden nicht sehr groß und so lässt sich eine schnelle manuelle Ernte durchführen.
2000 wurde aus dem Entwicklungsprojekt schließlich eine Kooperative namens Cooperativa de Servicio Agroforestal y de Comercialización de Cacao, kurz: Cacaonica. Die Kooperative ist die erste in Nicaragua, die für ihren Kakao eine Bio-Zertifizierung erhalten hat.
Pro Mundo Humano stellte schon damals eine wichtige Verbindung zwischen der Kooperative und einem deutschen Schokoladenunternehmen her. Das Unternehmen wollte ein eigenes Sortiment an Bio-Schokoladen auf den Markt bringen und war deswegen an dem Kakao aus Nicaragua sehr interessiert. Seit 2005 kauften sie also die gesamte Produktion der 500 Kleinbauern von Cacaonica. Mit der Zeit entstanden weitere Kooperativen, die ebenfalls das Bio-Zertifikat erhielten. Mit der neuen Konkurrenz wuchs auch das Bewusstsein über die komplette Abhängigkeit von nur einem Käufer. Um mehr Unabhängigkeit zu schaffen, beschloss Cacaonica schlielich, sich auch um eine Fairhandelszertifizierung zu bemühen und somit auch mit Fairhandelsunternehmen Handelspartnerschaften eingehen zu können.

Die Kooperative gründet ein eigenes Entwicklungsprojekt

Während unseres ersten Besuchs in Waslala steckte Cacaonica gerade in einer Krise, die durch schlechtes Management entstanden war. Das neue Team machte sich vor der Ernte im September 2010 an die Arbeit. Zu diesem Zeitpunt war Cacaonica stark verschuldet, sodass der deutsche Abnehmer sein Vertrauen verlor und sich einen neuen Bio-Lieferanten suchte. Die jährlich Exportmenge von etwa 200 Tonnen reduzierte sich daraufhin auf einen zweistelligen Tonnenbereich. Das stürzte die Kooperative in große Schwierigkeiten.
Um ihnen aus ihrer Krise zu helfen, kaufte Ethiquable 14 Tonnen Kakao und half zudem bei der Vorfinanzierung der Ernte. Außerdem musste sowohl das Bio- als auch das Fairhandels-Zertifikat erneut gewonnen werden. Die Partnerschaft mit Ethiquable ermöglichte Verhandlungen mit anderen potenziellen Käufern. Cacaonica konnte einen langsamen, aber kontinuierlichen Anstieg der Exportmengen registrieren: 46 Tonnen im Jahr 2010, 56 Tonnen im Jahr 2011, 98 Tonnen im Jahr 2012. Wir kauften weiterhin jährlich mehrere Tonnen Kakao.
Der Sturzflug des Kakaopreises war für Cacaonica ein zusätzlicher Grund, sich um die Bio- und Fairhandels-Zertifizierung zu bemühen. Seit der Preisspitze im März 2001 von 3300 US-Dollar pro Tonne ist der Preis zwischenzeitlich auf unter 1800 US-Dollar pro Tonne gefallen. Auf dem lokalen Markt ist der Kakaopreis ohnehin sehr niedrig, da er hauptsächlich zu Pulver weiterverarbeitet wird. Mit fair gehandeltem Kakao in Bio-Qualiät kann die Kooperative viel höhere Preise erzielen.

Qualität und Löhne verbessern

Die Kleinbauern von Cacaonica haben sich entschieden, die ersten Weiterverarbeitungsschritte selbst durchzuführen. Am Rande der Parzellen oder vor ihren Häusern kümmern sie sich um Fermentation und Trocknung. Eine zentrale Weiterverarbeitung ließ sich nicht realisieren, weil es schwierig war, ein für alle zugängliches Zentrum zu schaffen. Während der Regenzeit, die zugleich auch die Erntezeit ist, sind einige Orte nicht mehr mit dem Lastwagen zu erreichen. Um nach Waslala zu gelangen, müsste man mit seinem Esel mehrere Stunden auf Schlammpisten verbringen.
Die dezentrale Weiterverarbeitung erleichtert den Transport zwar ungemein, macht gleichzeitig aber eine strengere Qualitätskontrolle jedes einzelnen Sacks Kakao nötig. Gerade beim Trocknen besteht die Gefahr, die Qualität des Kakaos durch kleine Fehler negativ zu beeinflussen. Eine individuelle Weiterverarbeitung macht auch eine individuelle Ausbildung nötig. Eine einheitliche Fermentation und eine adäquate Trocknung sind für Cacaonica extrem wichtig.
Das im September 2010 neu gewählte Administrations-Team der Kooperative mit seinem Präsidenten Rogelio Perez nahm direkt wichtige strategische Veränderungen vor und überzeugte die Bauern davon, ein zentrales Weiterverarbeitungszentrum in Waslala zu errichten. Durch die technische Unterstützung des Centro Agronómico Tropical de Investigación y Enseñanza, (CATIE) konnte eine professionelle Trocknungsanlage installiert werden. Um mit den Transportschwierigkeiten umzugehen, hat Cacaonica fünf dezentrale Sammelpunkte eingerichtet, an denen der Kakao einmal wöchentlich per Lkw abgeholt wird.

Positive Effekte der zentralisierten Weiterverarbeitung

Die Produzenten sind nicht mehr gezwungen, die Trocknung ihres Kakaos selbst zu bewerkstelligen. Ohne professionelle Werkzeuge benötigten sie dafür oft mehrere Wochen und liefen Gefahr, durch fehlerhaftes Trocknen ihre Ernte zu verlieren. Die Verbesserung des Managements und der Vermarktung trägt Früchte. Die Produzenten, die direkt nach dem Sammeln bezahlt werden, können nun mit einem regelmäßigen Einkommen rechnen.

Steigende Einkommen

Die neue Vermarktungsstrategie von Cacaonica macht es möglich, den Kleinbauern 2800 US-Dollar pro Tonne Kakao zu zahlen. Das sind etwa 40% mehr, als es auf dem konventionellen Markt üblich ist.
Jede Familie besitzt ungefähr 10 Hektar Land, wovon jedoch in der Regel nur ein bis zwei Hektar für die Kakaokultivierung genutzt werden. Gelegentlich finden sich auch Kaffeesträucher in ihren Gärten, aber nur in den höher gelegenen Regionen. Eine Familie produziert jährlich etwa 600 Kilogramm Kakao. Die anderen Produkte sind für den privaten Konsum oder den Verkauf auf dem lokalen Markt vorgesehen. Mais für die Tortillas und Bohnen sind die wichtigsten Grundnahrungsmittel. Auf dem restlichen Land werden oft Rinder gehalten, die sich im Notfall relativ schnell zu Geld machen lassen. Die bäuerliche Ökonomie ist immer noch sehr fragil, aber die ersten Erfolge der Kooperative haben bereits Schwung in das Leben der Bauernfamilien gebracht.
Als nächste größere Investition ist die Anschaffung eines Lkws geplant. Dann muss die Kooperative nicht mehr ständige Fahrzeuge ausleihen und kann den Transport noch flexibler gestalten. Außerdem muss Cacaonica die Infrastruktur vor Ort verbessern, dazu gehört auch ein schneller und sicherer Internetzugang. Die nächste Bank ist eine fünf- bis achtstündige Busfahrt entfernt.

In aller Kürze

  • Partnerschaft seit 2010
  • Kooperative wurde 2000 gegründet
  • ~350 Kakaobauern
  • Durchschnittlich 2 Hektar Land pro Familie
  • jährliche Produktion pro Familie beträgt ca. 600 kg Kakao

Vor Ort

Unser Mitarbeiter Nicolas Eberhart (Agrarwissenschaftler) hat das Projekt mitinitiiert und begleitet es vor Ort.

Produkte von CACAONICA bei ETHIQUABLE

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